Zollikon und die Kunst
Der Bezug von Zollikon zur Kunst und umgekehrt von Kunstschaffenden zur Gemeinde ist eng. Zahlreiche bemerkenswerte Künstlerpersönlichkeiten lebten hier und hinterliessen ein reichhaltiges Werk. Die Verbindung zwischen Gemeinde und Kunst reicht weit zurück.
Bereits im 18. Jahrhundert traten Zolliker mit ihrer Kunst in Erscheinung, darunter mehrere Vertreter aus der Maler- und Kunstverlegerfamilie Bleuler sowie der Landschaftsmaler Heinrich Thomann. Im 19. Jahrhundert folgten weitere, wie beispielsweise der Radierer Rudolf Fretz-Bryner oder der renommierte Kupferdrucker und Fotograf David Herter. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren besonders viele Künstlerinnen und Künstler gleichzeitig in der Gemeinde wohnhaft. Aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ragen die Namen der Bauhaus-Fotografin Lucia Moholy-Nagy und des Architekten Bruno Giacometti heraus, die einen Teil ihres Lebens in Zollikon verbrachten.
Die Bezeichnung von Zollikon als «Künstlerdorf» hat ihren Ursprung im frühen 20. Jahrhundert, als immer mehr Kunstschaffende hierherzogen. Diese Entwicklung blieb auch der Presse nicht verborgen: «In der letzten Zeit haben sich dort die Kunstmaler Jakob Welti, F. Boscovits jun. und Lackerbauer niedergelassen, und nächstens wird Herr Wassmuth seinen Einzug in Zollikon halten. Ferner wohnen dort die Bildhauer Meyer und Abry. Mit seiner unvergleichlichen Lage, seinen prächtigen Wäldern und seinen idyllischen Winkeln bietet Zollikon eine Masse künstlerischer Motive.» (Zürcher Wochen-Chronik, 16.2.1907)
Zu den genannten Personen stiessen bald weitere: Adolf und Elisabeth Thomann, Paul Bodmer, Emy Fenner, Fanny Brügger, Heini Waser, Jakob Gubler, Helene Labhardt, Antonie Locher, Anton Leuthold, die Bildhauer Hans Gisler, Otto Münch und Karl Geiser und andere mehr.
Es war eine ungewöhnlich hohe Dichte an Künstlerinnen und Künstlern, die sich in dem damals noch dünn besiedelten, landwirtschaftlich geprägten Dorf aufhielten. Einige zogen später weiter, andere blieben und prägten die Gemeinde über Jahre mit ihrem Wirken, indem sie gemeinsame Ausstellungen im Dorf organisierten. So gelangten die Einwohnerinnen und Einwohner Zollikons in den Genuss von Kunst, für die man sonst ins Zürcher Kunsthaus oder in andere Städte reisen musste, denn die Beteiligten waren oftmals in den grossen Schweizer Ausstellungshäusern vertreten. Ihre Kulturleistungen für die Gemeinde wirken bis heute nach, da ihre Werke den Hauptbestand der ausgesprochen beachtlichen Zolliker Kunstsammlung ausmachen. Sie alle und viele weitere ortsansässige Kunstschaffende bis in die Gegenwart tragen dazu bei, dass sich Zollikon bis heute auch als Künstlerdorf verstehen lässt.
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Quellen: Archiv der Zolliker Kunstsammlung, SIK-ISEA Schweizerisches Kunstarchiv, Presse, Ausstellungskataloge.
Foto: Paul Agustoni (1934–2012), Skulpturen auf dem Pausenhof des Sekundarschulhauses Buechholz, Zollikon.
Die Texte zu Kunst in Zollikon und zur Zolliker Kunstsammlung wurden 2026 von der Kunsthistorikerin Dr. Regula Schmid im Auftrag der Gemeinde Zollikon erarbeitet.