Die Zolliker Kunstsammlung

Die Gemeinde Zollikon verfügt über eine umfangreiche Sammlung, die sich durch ihre historische Tiefe und ihre Qualität auszeichnet. Dass die Werke der «Zolliker Kunstsammlung» mit ihren vielfältigen Bezügen zum Ort erhalten und zugänglich bleiben, ist ein Kernanliegen der Gemeinde, in der die Pflege und Förderung von Kunst eine lange Tradition haben.

Bereits 1943 stellte die stadtzürcherische Presse mit leiser Verwunderung fest: «Wohl keine andere Gemeinde an den Ufern des Zürichsees ist der Gegenwartskunst gegenüber so aufgeschlossen wie Zollikon, das neben dem großzügig an öffentlichen Gebäuden angebrachten Schmuck auch die kleinformatigere Malerei und Plastik als verständnisvoller Mäzen betreut.» (Neue Zürcher Nachrichten, 5.11.1943)

Tatsächlich war das keineswegs selbstverständlich. Doch in Zollikon machten es eine kunstbewusste Behörde und vor allem die Künstlerschaft selbst möglich, dass sich die Gemeinde trotz ihrer Nachbarschaft zur Stadt mit einem eigenständigen Kulturangebot positionieren konnte. In jener Zeit entstand durch zahlreiche Ankäufe das Fundament der gemeindeeigenen Kunstsammlung, auf dem seither kontinuierlich aufgebaut wurde.

Die Sammlung umfasst neben Wandmalereien und Skulpturen im öffentlichen Raum hauptsächlich Gemälde und Grafiken. Ein Teil der Werke hängt im Gemeindehaus, in den Schulhäusern, den Alterswohnungen und weiteren öffentlichen Gebäuden. Mit dem Ortsmuseum, das 1961 gegründet wurde, stehen Räume zur Verfügung, um den Bestand in wechselnden Ausstellungen zu präsentieren. Seit den 1980er-Jahren wird auch die Villa Meier-Severini immer wieder für Kunstausstellungen genutzt.

Die Betreuung der Kunstsammlung liegt bei der Leitung des Ortsmuseums. Bei Fragen zur Kunst im öffentlichen Raum und zu Ankäufen oder Schenkungen kann der Fachbeirat Kultur beigezogen werden, der unter dem Vorsitz des Gemeindepräsidenten steht.Die Sammlung besteht heute aus rund 1‘500 Objekten, doppelt so vielen wie noch zur Jahrtausendwende. Sie wird in einem Depot in der ehemaligen Zivilschutzanlage unter dem Schulhaus Buechholz aufbewahrt. Während früher Werke häufig im Zusammenhang mit Ausstellungen angekauft wurden, erfolgen Neuzugänge heute vor allem durch Schenkungen und nur in begrenztem Umfang durch gezielte Ankäufe. Aufgrund der hohen Anforderungen an Lagerung und Pflege sowie der damit verbundenen Verantwortung wird die Sammlung bewusst sehr selektiv erweitert.

Die Zolliker Kunstsammlung enthält Werke aus über vier Jahrhunderten und reicht bis in die Gegenwart. Das früheste Objekt, ein Blatt aus der Chronik der Eidgenossenschaft von Johannes Stumpf, das die Geschichte Zollikons betrifft, stammt aus dem Jahr 1547 (Abb.). Je ein Schwerpunkt liegt auf Druckgrafiken des 18. Jahrhunderts beziehungsweise auf der Kunst des 20. Jahrhunderts. Das 19. Jahrhundert ist weniger stark vertreten, doch nicht gänzlich abwesend, wie die Landschaftsansicht der Schweizer Malerin Nanette Wirz von 1814 exemplarisch zeigt (Abb.).

Ein Grossteil der Sammlung entfällt auf Werke mit einem Bezug zu Zollikon, sei es durch das Motiv oder die Biografie der Urheber. Zahlreiche Dorfansichten aus früherer Zeit vermitteln eine anschauliche Vorstellung von Alt-Zollikon. Als besonders beliebtes Motiv über die Jahrhunderte hinweg erweist sich die markante Zolliker Kirche mit dem See im Hintergrund.

Zusätzlich wartet die Sammlung mit teilweise überraschenden Positionen auf. So enthält sie ein lithografiertes Selbstporträt des Schriftstellers und Literatur-Nobelpreisträgers Günter Grass, der 1986 die Gemeinde besuchte und hier seine Grafiken und Bronzen ausstellte. Max Bill, der ab 1968 in Zumikon in einem von ihm selbst entworfenen Haus lebte, ist mit einigen Druckgrafiken vertreten. Von Hans Falk, einem Zolliker Bürger, gibt es mehrere Grafiken sowie im Schulhaus Rüterwis B im Zollikerberg zwei Wandbilder. In der Sammlung befinden sich zudem eine kleine Anzahl Farblithografien von Marc Chagall, Joan Miró und Serge Poliakoff.

Gleichzeitig weist die Sammlung Lücken auf: Von einigen Kunstschaffenden mit Bezug zu Zollikon sind nur wenige oder gar keine Werke vorhanden. Dazu gehören etwa Gotthard Schuh und Lucia Moholy-Nagy, die beide in Zollikon lebten, in der Sammlung jedoch fehlen.

Schwerpunkt: Druckgrafik des 18. Jahrhunderts

Die Zolliker Kunstsammlung besitzt einen eindrücklichen Bestand an frühen Landkarten und Landschaftsdarstellungen (Veduten). Die Karten aus dem 17. bis 19. Jahrhundert mit Übersichtsdarstellungen der Gemeinde oder der Region von Hans Conrad Gyger, Johannes Hofmeister, Matthias Seutter und weiteren sind wertvolle Dokumente wie auch unschätzbare historische Quellen.

Ein Hauptgewicht der Sammlung liegt auf Werken der Familie Bleuler – insbesondere von Heinrich Bleuler und seinem Sohn Ludwig (Louis) Bleuler – sowie von Heinrich Thomann. Diese Werkgruppe wurde im späteren 20. Jahrhundert durch systematische Erwerbungen des Gemeinderats aufgebaut, mit dem Ziel, diesen für die Kunstgeschichte der Gemeinde wichtigen Bereich angemessen abzubilden.

Heinrich Bleuler stammte aus Zollikon, übersiedelte jedoch später für seine Arbeit nach Feuerthalen und in das Schloss Laufen am Rheinfall. Er fertigte als Zeichner und Kupferdrucker Landschaftsansichten von touristischen Sehenswürdigkeiten an und betrieb einen erfolgreichen Kunstverlag samt eigener Malschule (Abb.). Der Verlag wurde von Ludwig Bleuler weitergeführt. Ein in der Sammlung erhaltenes Subskriptionsbuch dokumentiert die Verbreitung der Werke und gibt Einblick in den damaligen Kunsthandel.

In dasselbe künstlerische Umfeld gehörte Heinrich Thomann – ebenfalls aus einer alteingesessenen Zolliker Familie –, der seine Blätter über Bleulers Verlag vertrieb. Er stellte bedeutende Radierungen und kolorierte Stiche mit lokalen und schweizerischen Motiven her (Abb.).

Schwerpunkt: Kunst aus dem mittleren 20. Jahrhundert

Den überwiegenden Teil der Sammlung bilden Werke, die im Zusammenhang mit Zolliker Ausstellungen angekauft wurden. Dahinter lag weniger behördliche Planung als vielmehr die Initiative der Kunstschaffenden selbst. Die Ausstellungstätigkeit begann im Kleinen und nahm immer grössere Ausmasse an.

In einer Doppelausstellung zeigten Fritz Boscovits und Jakob Welti im Jahr 1927 über 160 Werke. Auch die Zolliker Künstlerinnen organisierten sich: So richteten Fanny Brügger, Emy Fenner, Antonie Locher und Elisabeth Thomann 1929 zu viert eine Ausstellung aus. Daraufhin taten sich sechs Künstlerpersönlichkeiten zusammen – Fritz Boscovits, Fanny Brügger, Emy Fenner, Elisabeth und Adolf Thomann und Jakob Welti – und stellten 1933 gemeinsam aus (Abb.).

Anschliessend traten Boscovits, Brügger, Fenner und das Ehepaar Thomann miteinander als Veranstalter auf. Sie öffneten 1940 die «Kunstausstellung Zolliker Maler und Bildhauer» für insgesamt 25 Teilnehmende und setzten eine Jury zur Auswahl der Exponate ein. Federführend war Boscovits, der in einem Heft alle Namen, die Anzahl der Werke samt Preisen und Verkäufen, Besucherzahl, Abrechnung und Schlussbericht handschriftlich festhielt (Abb.). Die Vernissage wurde von 300 und die Ausstellung von 1‘200 Gästen besucht.

Damit etablierte sich eine Tradition von grossen Zolliker Gruppenausstellungen, die fortan in regelmässigen Abständen und unter dem Patronat des Gemeindepräsidenten stattfanden und später vom Kulturkreis Zollikon organisiert wurden. Aus diesen Ausstellungen erwarb die Gemeinde jeweils eine beträchtliche Anzahl von Werken. Sie unterstützte damit die lokale Künstlerschaft und legte zugleich die Grundlage für den Aufbau der Kunstsammlung.

__

Quellen: Archiv der Zolliker Kunstsammlung, SIK-ISEA Schweizerisches Kunstarchiv, Presse, Ausstellungskataloge.

Die Texte zu Kunst in Zollikon und zur Zolliker Kunstsammlung wurden 2026 von der Kunsthistorikerin Dr. Regula Schmid im Auftrag der Gemeinde Zollikon erarbeitet.

Privatführung ins Sammlungsdepot

Lassen Sie sich durch das Sammlungsdepot unterhalb des Schulhauses Buechholz führen. Beim Rundgang erhalten Sie einen Einblick in den "Backstagebereich" des Ortsmuseum mit seiner Kunstsammlung und der ortsgeschichtlichen Objektsammlung. Wir werden verschiedene Fragen an die Sammlung stellen: Warum sammelt die Gemeinde? Was sammelt die Gemeinde? Welche Fragen können wir an die Objekte stellen?

Kosten: 150 Franken

1 Stunde, maximal 20 Personen  

Buchung: per Mail an ortsmuseum@zollikon.ch 

 

Sammlungsdepot